Tiere & NaturDeutsch
Mia und die Kastanienpfütze
Mia wollte so viele Kastanien sammeln, dass ihr Eimer ganz voll wurde. Heute noch, vor dem Abendbrot.
Im Hof stand der große Baum. Unter ihm lagen die Kastanien im Laub, glatt und braun wie kleine Schuhe. Mia bückte sich und sammelte. Eine, zwei, drei. Plong, plong, plong, so fielen sie in den Eimer.
Dann kam Opa aus der Werkstatt. Er hatte einen Besen in der Hand und suchte seinen Hammer. In der Werkstatt war es immer ein bisschen durcheinander. Dort stand sogar ein Schrank, der seine Fächer jedes Mal neu sortierte, wenn man die Tür zumachte. Das fand hier niemand komisch.
„Wo ist mein Hammer?“, murmelte Opa. „Gestern war er im oberen Fach.“
„Ich suche Kastanien“, sagte Mia. „Opa, schau, mein Eimer ist noch nicht voll!“
Die Sonne wurde schon orange. Mia lief schneller. Aber unter dem Baum lagen nur noch wenige. Der Eimer war erst halb voll.
Sie sah nach oben. Im Baum hingen noch viele Kastanien, in grünen, stacheligen Schalen. Mia hüpfte. Sie kam nicht ran. Sie versuchte es mit einem Stock. Der Stock war zu kurz.
„Hm“, machte Mia. Sie sah sich um. Da, neben der Werkstatttür, lehnte der Besen.
Mia holte ihn. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und stupste an einen Ast. Raschel, raschel. Dann, bums, fiel eine Kastanie. Und noch eine. Und noch eine!
„Das ist ein guter Einfall“, sagte Opa.
Mia sammelte im letzten Licht, so schnell sie konnte. Plong, plong, plong. Der Eimer wurde voll, bis zum Rand.
Opa öffnete die Schranktür, schaute hinein und lachte. Der Hammer lag im untersten Fach, neben einem Marmeladenglas.
Mia hob ihren Eimer hoch. Er war schwer. Drinnen klackerten die Kastanien leise, und die letzte Sonne glänzte auf ihnen wie auf frisch geputzten Schuhen.