Tiere & NaturDeutsch
Der müde kleine Bär
Mitten auf dem Waldweg lag ein einzelner roter Socken. Er war so groß wie ein Bärenbein und er bewegte sich ein bisschen.
Der kleine Bär Timo blieb stehen. Er gähnte so weit, dass es in den Ohren knackte. Timo war müde. Er wollte nur eines: heim in seine Höhle und in sein Moosbett. Aber der Weg war noch lang.
„Ach“, sagte er. „Ich bin so müde, müde, müde.“
Da hüpfte der Socken auf ihn zu. „Hallo, Timo! Ich bin der linke Socken von Frau Dachs. Gestern Nacht habe ich mich davongeschlichen. Bei uns tauschen die Socken nachts eben die Partner. Das ist ganz normal. Aber mein neuer Partner steckt oben im Baum fest!“
Timo legte den Kopf in den Nacken. Hoch in einer Astgabel hing ein blauer Socken und zappelte.
„Den hole ich dir“, sagte Timo. „Ich bin ja ein Bär. Ich kann klettern.“
Er packte den Stamm. Er zog und schob. Nach drei Schritten rutschte er wieder runter. Plumps. „Ich bin zu müde, müde, müde“, brummte er.
Er versuchte es noch einmal. Wieder plumps.
Timo setzte sich ins Gras und dachte nach. Dann sah er die Sträucher neben dem Baum, voll mit reifen Brombeeren. Ein Ast hing tief herunter, und sein Ende reichte fast bis zum blauen Socken.
„Ich muss gar nicht klettern“, sagte er langsam. „Ich muss nur ziehen.“
Er griff den Ast und bog ihn nach unten. Der Ast ächzte. Der blaue Socken rutschte näher, noch näher, und fiel Timo mitten auf die Nase.
„Hurra!“, riefen beide Socken. Sie rollten sich ineinander, ganz fest.
Timo trug sie zu Frau Dachs. Dann stapfte er heim, kroch ins Moosbett und zog die Decke bis zum Kinn. Draußen raschelte es leise. Im Dunkeln hörte er, wie seine eigenen Socken tuschelten und sich ein wenig umsortierten. Timo lächelte. Er war müde, müde, müde, und das war jetzt genau richtig.