Tiere & NaturDeutsch
Mia und die Glockenblume
Mia wollte wissen, was in der blauen Glockenblume summte.
Mia war ein kleines graues Kätzchen mit weißen Pfoten. Sie wohnte auf einem Dachgarten, an dem abends bunte Laternen hingen. Dort blühte jede Blume zu ihrer eigenen Stunde. Die Gelbe öffnete sich zum Frühstück. Die Rote öffnete sich zum Mittagessen. Und die blaue Glockenblume öffnete sich erst, wenn es dunkel wurde.
Nun war es noch hell, und die Glockenblume war zu. Aber es summte darin. Summ, summ, summ.
„Was ist da drin?“, flüsterte Mia.
Sie steckte die Nase an die Blüte. Nichts. Sie klopfte mit der Pfote. Die Blume wackelte, aber sie blieb zu. Sie blies hinein. Nichts.
„Das gilt nicht“, sagte Mia und setzte sich hin.
Da kam Herr Brumm, die dicke Hummel, und landete auf dem Blumentopf. Er hatte es eilig und rieb sich die Beine.
„Ich warte auf meine Glockenblume“, sagte er. „Dort schlafe ich jeden Abend.“
„Du schläfst da drin?“, fragte Mia. „Dann summst du ja gar nicht jetzt.“
„Ich? Nein, ich bin doch hier“, sagte Herr Brumm.
Mia legte den Kopf schief. Wer summte dann? Sie schlich um den Topf. Und dort, hinter dem Blatt, hörte sie es ganz laut: Summ, summ, summ. Es kam aus der kleinen Gießkanne!
Mia steckte die Pfote in die Tülle. Plötzlich flog etwas heraus, eine winzige Biene, die schimpfte und davonsauste.
„Aha“, sagte Mia. „Die war es also.“
Dann wurde es dunkel. Die Laternen gingen an, eine nach der anderen. Leise, mit einem kleinen Knacks, öffnete sich die blaue Glockenblume. Herr Brumm kroch hinein und gähnte.
Mia rollte sich daneben ein. Sie hörte ihn noch brummen, ganz tief und ganz leise, bis er nur noch atmete.