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Gefühle & EmotionenDeutsch

Wölkchen Wolle und der Regen

Wolle schob sich gerade über den Rand des Berges, als sie merkte, dass etwas nicht stimmte. Sie war eine kleine Wolke, so klein wie ein Kissen. Und sie wollte so gern ein bisschen regnen, nur über dem Garten unten im Tal.

Dort wartete die Sonnenblume. Ihr Kopf hing schon ganz schlapp.

„Ich komme!", rief Wolle.

Sie pustete und strengte sich an. Aber es kam nichts. Nicht ein Tropfen. Wolle sah an sich hinunter. Sie war weiß und leicht und trocken wie Watte.

Da wurde ihr ganz schwer ums Herz. „Ich kann gar nichts", sagte sie leise. „Ich bin zu klein."

Eine Träne rollte ihr über die Wange. Plitsch. Noch eine. Plitsch, plitsch.

„Oje", sagte ein Spatz auf dem Zaun. Er hatte nur nach Krümeln gesucht. „Du bist ja nass."

Wolle schniefte. Sie probierte es noch einmal und presste die Augen fest zu. Wieder nichts. Dann zog sie an sich selbst, als wollte sie sich auswringen wie einen Lappen. Wieder nichts.

Traurig ließ sie sich treiben, ganz langsam, mitten über den Garten. Und dabei weinte sie weiter. Plitsch, plitsch, plitsch.

Unter ihr hob die Sonnenblume den Kopf.

„Es regnet!", rief sie. „Es regnet!"

Wolle riss die Augen auf. Tropfen fielen aus ihr heraus, kleine, glitzernde. Sie fielen auf die Blätter und auf die Erde und auf den Spatzen, der laut zeterte und davonflog.

Wolle musste lachen. Und weil sie lachte, hüpften die Tropfen noch schneller.

Die Sonnenblume richtete sich auf, Blatt für Blatt. Wolle wurde leichter und leichter, bis sie nur noch so klein war wie eine Feder. Der letzte Tropfen fiel. Plitsch.

Im Garten roch es nach nasser Erde, und irgendwo tropfte es leise von einem Blatt.