Gefühle & EmotionenDeutsch
Der Wolkenhund Pelle
Pelle hatte einen kleinen grauen Regenwolken-Hund, der nur ihm folgte und keinem anderen. Er hieß Nieselnase. Überall, wo Pelle hinging, schwebte er über seinem Kopf und tröpfelte leise.
Heute fehlte Oma. Sie war zur Tante gefahren und kam erst in drei Nächten wieder. Pelle saß am Fluss, wo die glatten Steine lagen und die Weidenzweige ins Wasser hingen. Dort hatte er sonst immer mit Oma Steine gesammelt.
„Ich will Oma“, sagte Pelle. „Aber sie ist weit weg.“
Nieselnase machte tropf, tropf, tropf.
Pelle suchte den schönsten Stein. Er war rund und warm von der Sonne. „Den schenke ich ihr“, sagte er. Aber Oma war ja nicht da. Der Stein lag nur in seiner Hand.
Da hatte er eine Idee. Er legte den Stein auf einen Zweig und gab dem Zweig einen Schubs. Der Zweig schaukelte, aber der Stein plumpste ins Wasser. Plumps!
„Hoppla“, sagte Pelle. Nieselnase tröpfelte schneller, als würde er lachen.
Pelle versuchte es noch einmal. Er rief über den Fluss: „Oma! Hörst du mich?“ Nur der Fluss murmelte zurück.
Pelle seufzte. Er sah auf seine Füße. Dort, wo Nieselnase getröpfelt hatte, waren die Steine dunkel geworden. Und die dunklen Steine glänzten wie kleine Spiegel.
Pelle nahm einen Kieselstein und legte ihn in die Nässe. Dann noch einen. Er legte sie nebeneinander, bis sie ein Herz ergaben, ein schiefes, glänzendes Herz.
„Das ist für Oma“, sagte er. „Wenn sie kommt, zeige ich es ihr. Dann weiß sie, dass ich an sie gedacht habe.“
Nieselnase schwebte tiefer und tröpfelte sanft auf das Herz, damit es nicht trocken wurde. Tropf, tropf, tropf.
Pelle setzte sich daneben. Es war noch immer drei Nächte lang bis zu Oma. Aber das Herz glänzte, und Pelles Bauch fühlte sich ein bisschen weniger leer an.
Der Fluss murmelte. Die Weidenzweige strichen über das Wasser. Und über dem Herzen aus Steinen tröpfelte der kleine Regen, ganz leise, bis es dunkel wurde.