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Gefühle & EmotionenDeutsch

Mia und das Tor mit dem Lied

Mia hatte ein Gartentor, das keinen Quietschton machte, sondern ein Lied. Wenn man es aufschob, knarrte es: "Dii-da-doo, dii-da-doo." Niemand im Dorf fand das seltsam.

Heute wollte Mia ein Bild für Oma malen. Ein Haus, einen Baum und eine große gelbe Sonne. Sie saß im Kräutergarten, zwischen Thymian und Minze, und die Bienen summten um ihre Stifte herum.

Der gelbe Stift brach ab. Knack.

Mia starrte ihn an. Dann spürte sie es: Die Wut kam. Sie kam im Bauch, heiß wie Suppe, und stieg hoch bis in die Ohren.

"Blöder Stift!", rief sie. Sie zerknüllte das Bild und warf es ins Beet.

Eine Biene setzte sich auf das Papierknäuel. Sie wollte nur zum Lavendel und kümmerte sich nicht um Mia.

Mia stampfte zum Tor und schob es auf. "Dii-da-doo." Sie schob es zu. "Dii-da-doo." Noch einmal. Noch einmal. Die Wut blieb.

Da setzte sich Mia ins Gras. Sie holte tief Luft, so tief, dass ihr Bauch groß wurde wie ein Ballon. Und sie pustete laut: "Pffffff!"

Die Biene hob erschrocken ab und flog im Kreis.

Mia musste kichern. Sie atmete noch einmal und pustete. "Pffffff!" Die Biene tanzte, und die Hitze im Bauch wurde kleiner und kleiner.

Mia holte das Papierknäuel aus dem Beet. Sie strich es glatt, auf dem Knie, ganz langsam. Es hatte Falten, wie ein altes Blatt. Der Baum sah davon fast lebendig aus.

Sie nahm den abgebrochenen Stift. Er war nur kürzer, malen konnte er noch. Die Sonne wurde ein bisschen klein und ein bisschen schief.

"Das ist eine Sonne, die müde ist", sagte Mia.

Sie ging noch einmal zum Tor und schob es ganz sacht auf. "Dii-da-doo", sang es leise. Im Thymian summten die Bienen mit.