Jahreszeiten & WetterDeutsch
Der Blätterwind
Am Rand vom Wald stand ein alter Apfelbaum, und unter ihm lag ein kleiner Werkstattschuppen voller halbfertiger Dinge.
Dort wohnte Mila, und sie wollte einen Blätterkranz für ihre Oma binden. Er sollte der bunteste Kranz der Welt werden, denn Oma hatte morgen Geburtstag.
Doch es war Anfang Herbst. Die Blätter am Baum waren noch alle grün.
„Grün ist auch schön“, sagte Mila. Aber sie wollte Rot und Gelb und Orange.
Sie band einen Kranz aus grünen Blättern. Dann stellte sie ihn in die Sonne und wartete. Nichts passierte. Er blieb grün.
„Hm“, machte Mila. Sie suchte in der Werkstatt. Da gab es Farbtöpfe, halbleer und verstaubt. Sie malte ein Blatt rot an. Aber die Farbe tropfte, und das Blatt wurde ganz klebrig.
Draußen raschelte es. „Fffff!“, machte der Wind und riss ihr das Blatt aus der Hand. Weg war es.
„Hey!“, rief Mila. „Komm zurück!“
Der Wind hatte keine Zeit. Er wollte nur zum Fluss, so wie jeden Tag. Er pustete einmal kräftig durch den Baum.
Da fiel etwas auf Milas Nase. Es war ein Blatt, und es war gelb! Mila schaute nach oben. Ganz oben im Baum, wo der Wind am meisten blies, leuchteten ein paar Blätter wie kleine Laternen.
„Aha“, flüsterte Mila. „Die werden zuerst bunt.“
Sie kletterte auf die Leiter und wartete auf den Wind. Jedes Mal, wenn er durch den Baum fuhr, segelte ein buntes Blatt herunter. Mila fing sie auf, ein rotes, ein gelbes, ein orangenes.
Nun band sie den Kranz noch einmal, diesmal ganz fest. Das Ende steckte sie in ihre Mütze, damit der Wind nichts mehr mitnehmen konnte.
„Fffff“, machte der Wind und zupfte nur ein bisschen am Kranz. Dann ging er weiter zum Fluss.
Mila hielt den bunten Kranz im Arm. Über ihr raschelte der Apfelbaum leise, und noch ein gelbes Blatt landete weich auf ihrem Schuh.