Jahreszeiten & WetterDeutsch
Der Fisch mit dem Licht
Auf der Wiese hinter dem Dorf stand eine alte Kastanie, und unter ihr sammelten sich die Kinder. Es war Abend, und es roch nach Laub und nach Rauch.
Lina hielt ihre Laterne fest. Sie hatte sie selbst gebastelt, einen Fisch aus blauem Papier mit einem großen runden Maul. Heute wollte sie ganz vorn gehen, mit dem Fisch und seinem Licht.
„Halt still“, sagte Papa und zündete das Teelicht an.
Die Flamme zitterte. Fffft, ein Windstoß, und sie war aus.
„Noch mal“, sagte Lina. Papa zündete sie wieder an. Lina hielt die Hand davor. Fffft, schon war sie wieder aus.
„Oje“, sagte Papa. „Der Wind ist heute frech.“
Die anderen Kinder gingen schon los. Sie sangen: „Licht, bleib an, ich bin dran!“ Lina stand noch bei der Kastanie und sah ihren dunklen Fisch an.
Neben ihr raschelte es im Laubhaufen. Ein Igel schob sich heraus. Er zog trockene Blätter zusammen, Blatt um Blatt, für sein Winterbett. Der Igel hatte keine Zeit für eine Laterne.
Plopp! Eine Kastanie fiel Papa auf die Mütze. „Aua!“, rief er und lachte.
Lina sah nach oben und dann wieder auf ihren Fisch. Der Wind kam immer in das große Maul hinein. „Papa“, sagte sie, „der Fisch hat den Mund zu weit offen.“
Sie nahm ein Kastanienblatt vom Boden und steckte es ins Maul, wie einen Schal. Papa zündete das Licht an.
Die Flamme zitterte. Sie wurde klein. Dann wurde sie wieder groß und blieb.
„Sie bleibt an“, flüsterte Lina.
Sie lief los, bis zur ersten Reihe. Der Fisch leuchtete blau und warm. Lina sang mit den anderen: „Licht, bleib an, ich bin dran!“
Hinter ihr raschelte der Igel in seinem Blätterbett. Vor ihr schwamm der kleine Fisch durch die Dunkelheit, und sein Licht blieb an.