Kleine PremierenDeutsch
Die Schultüte mit dem Wackelschwanz
Mitten in der Küche stand eine Schultüte, und sie wackelte.
Mia blieb in der Tür stehen. Heute war ihr erster Schultag. Die Tüte war rot und groß wie ein Eimer, mit gelben Sternen darauf. Mia wollte sie unbedingt selbst zur Schule tragen, ganz allein, damit alle sie sehen konnten.
„Du wackelst ja“, sagte Mia leise.
Die Tüte wackelte noch einmal. Oben, wo das Papier zusammengebunden war, schaute ein buschiger Schwanz heraus. Er war grau und hatte einen weißen Ring.
Mia zog ganz vorsichtig an der Schleife. Da sprang ein Eichhörnchen heraus, mit einer Haselnuss im Maul. Es rannte über den Tisch, über den Stuhl, zum offenen Fenster und war weg.
Mia schaute in die Tüte. Die Süßigkeiten lagen kreuz und quer, und die Buntstifte steckten in einer Ecke fest. Das Eichhörnchen hatte alles durcheinandergebracht! Und die Tüte war oben eingerissen.
„Mama, die Tüte ist kaputt!“, rief Mia.
„Wir müssen gleich los“, rief Mama aus dem Flur.
Mia drückte das Papier zusammen. Es ging wieder auf. Sie holte Klebeband, aber das Band klebte nur an ihren Fingern. „Pfff“, machte sie. Dann klebte es an ihrem Ärmel.
Mia setzte sich auf den Boden und sah die Tüte lange an. Der Riss war genau so groß wie eine Haselnuss.
Da hörte sie draußen ein Kratzen. Das Eichhörnchen saß auf dem Fensterbrett und hatte eine zweite Nuss dabei. Es wollte wohl noch einmal zur Tüte.
Mia hatte eine Idee. Sie nahm ein gelbes Stück Papier von der Schleife und riss es zu einem Stern. Den Stern klebte sie über den Riss. Diesmal hielt das Band, weil Mia fest drückte.
„So“, sagte sie. „Jetzt ist es ein Stern mehr.“
Das Eichhörnchen legte die Nuss auf den Tisch. Dann flitzte es davon.
Mia nahm die Tüte in beide Arme. Es raschelte leise, und etwas Kleines, Rundes rollte darin hin und her, tock, tock, tock, bis Mia durch die Haustür ging.