Kleine PremierenDeutsch
Mias Glockenhut
„Ich gehe da nicht rein", sagte Mia und hielt sich am Zaun fest.
Der Kindergarten hatte ein gelbes Tor. Dahinter war ein Garten mit Sandkiste und Schaukel. Mia wollte nur eins: ihren Hasen Hoppel mitnehmen. Aber Hoppel hatte ein Loch im Ohr. Es war heute Morgen aufgegangen, und die Füllung war ein bisschen herausgekommen. Mama hatte gesagt: „Heute Abend nähe ich es zu, versprochen." Und Hoppel musste zu Hause bleiben.
„Ohne Hoppel gehe ich nicht", sagte Mia.
„Das ist schwer", sagte Mama. „Aber ich muss zur Arbeit. Ich hole dich ab, versprochen."
Mia ging langsam durch das Tor. Drinnen hing eine kleine Glocke am Dach. Sie klingelte von allein, bling-bling, sobald der Wind sich drehte. Niemand sah hoch. Das war eben so.
Mia setzte sich auf die Bank. Ihre Hand war leer. Sie suchte in der Jackentasche und fand ein Bonbonpapier. Sie versuchte, damit ihre Hand zu füllen. Es knisterte, aber es war nicht Hoppel.
Dann fand sie eine Kastanie. Sie war rund und warm. Aber sie war zu hart.
„Was suchst du?", fragte Ben. Er schüttete gerade Sand von einem Eimer in den anderen.
„Etwas Weiches", sagte Mia.
„Ich habe nur Sand", sagte Ben. „Der ist nicht weich. Der rieselt."
Mia sah sich um. Auf dem Boden lag ein Handschuh, ein roter, ganz allein. Er war weich und hatte fünf Finger. Mia steckte die Kastanie in den Handschuh. Sie drückte ihn zu. Er sah aus wie ein kleiner Hase mit fünf Ohren.
Bling-bling, machte die Glocke. Der Wind hatte sich gedreht.
Mia hielt den Handschuh-Hasen an die Wange. Er war weich und ein bisschen schief. Ben lachte. „Der hat viel zu viele Ohren!"
Mia lachte auch. Sie setzte sich in die Sandkiste, den Handschuh im Arm. Der Sand rieselte durch ihre Finger, und über ihr klingelte die Glocke, bling-bling, ganz leise.