Kleine PremierenDeutsch
Lenas Wackelzahn und der Brunnen
„Wackel, wackel“, flüsterte der Zahn.
So hörte es Lena, als sie morgens mit der Zunge gegen ihren Zahn stupste. Sofort lief sie zum Brunnen hinter dem Haus. Dort wohnte ein Echo, das immer eine Sekunde zu spät antwortete. Das fand im ganzen Dorf niemand seltsam.
„Ich habe einen Wackelzahn!“, rief Lena in den Brunnen.
Sie wartete. Dann kam es leise von unten: „Wackelzahn!“
Lena strahlte. Sie wollte, dass der Zahn heute herausfiel. Dann konnte sie ihn Oma zeigen, die am Abend zu Besuch kam. Oma war schon lange fort gewesen, und der Tag kroch so langsam wie eine Schnecke.
Lena biss in einen Apfel. Der Zahn wackelte, aber er blieb drin. Sie zog mit dem Finger daran. Er blieb drin. „Komm raus, Zahn!“, rief sie in den Brunnen.
„Komm raus, Zahn!“, sagte das Echo, nachdem sie längst still war.
Lena dachte nach. Dann lachte sie. „Ich sage etwas ganz Lustiges und warte auf das Echo.“
Sie legte die Hände an den Mund und rief: „Der Frosch hat Socken an!“
Sie wartete. Ihr Mund war schon ein bisschen offen. Dann kam von unten: „Der Frosch hat Socken an!“
Lena prustete los. Sie lachte, bis ihr Bauch hüpfte. Dabei sprang etwas aus ihrem Mund und klingelte auf den Steinen.
Da lag der Zahn, klein und weiß wie ein Reiskorn.
„Ich habe einen Zahn verloren!“, rief Lena in den Brunnen.
Sie hielt ihn fest in der Hand und wartete.
„Verloren!“, sagte das Echo.
Und dann hörte Lena, wie hinten im Garten das Gartentor quietschte.
„Lena?“, rief Oma.