Mut & ÄngsteDeutsch
Lotta und das Licht im Korb
„Ich mag nicht allein im Dunkeln schlafen!", sagte Lotta und hielt ihren Kissenzipfel fest.
Sie war klein, und ihr Zimmer war abends sehr groß. Lotta wollte nur eines: einschlafen, ohne dass ihr Herz so laut klopfte. Papa hatte das Nachtlicht in die Steckdose gesteckt. Es machte nur „klick" und blieb dunkel.
„Kaputt", sagte Papa. „Morgen kaufen wir ein neues."
Lotta schaute in die Ecke. Dort stand etwas Hohes, Schwarzes. Ihr Herz klopfte: bum, bum, bum.
Zuerst rief sie nach Papa. Er kam, gab ihr einen Kuss und ging wieder. Das Schwarze in der Ecke blieb.
Dann zog sie sich die Decke über den Kopf. Aber unter der Decke war es noch dunkler.
Da fiel ihr etwas ein. Sie schlich zum Fenster, ganz leise auf den Zehenspitzen. Draußen hing der Mond. Er war rund und hell wie ein Teller.
„Du bist ein Licht", flüsterte Lotta. „Und ich hole dich herein."
Sie nahm ihren bunten Wäschekorb und stellte ihn ans Fenster, die Öffnung zum Mond. Dann trug sie den Korb zum Bett. Ein bisschen Mondlicht fiel durch das Geflecht und malte kleine Streifen auf die Decke.
Lotta sah noch einmal zur Ecke. Das Hohe, Schwarze hatte plötzlich Ärmel. Und einen Kragen. Es war Papas Mantel auf dem Stuhl!
„Du bist gar kein Ungeheuer", sagte sie. „Du bist ein Mantel."
Da machte der Korb „knack" und kippte um. Heraus purzelte Lottas rote Socke, die sie seit Tagen gesucht hatte. Lotta kicherte.
Sie legte sich hin und schob die Socke unters Kinn. Die Mondstreifen lagen still auf ihrer Decke. Ihr Herz klopfte leise, bum, bum, bum, und wurde langsamer, bis es nur noch flüsterte.