Fantasie & WunderDeutsch
Mia und der Eierkorb ohne Boden
Mia war das Mädchen mit dem Korb ohne Boden. Ihr Opa hatte ihn so geflochten, dass unten ein rundes Loch blieb. Niemand im Dorf fand das seltsam. Der Korb war eben so.
Heute war Ostersonntag, und Mia wollte alle Ostereier im Garten finden. Alle zwölf, hatte Mama gesagt.
Mia lief los. Unter dem Rosenstrauch lag ein rotes Ei. Sie legte es in den Korb. Plopp! Es fiel durch das Loch ins Gras.
„Hoppla“, sagte Mia. Sie hob es auf und legte es wieder hinein. Plopp! Wieder lag es im Gras.
Mia dachte nach. Sie nahm ihr Halstuch und band es um den Korb. Das Tuch hing wie eine Hängematte darin. Das erste Ei lag still. Dann fand sie ein blaues Ei im Salat. Dann ein gelbes hinter dem Eimer. Aber das Tuch war weich, und die Eier kullerten und stießen aneinander. Klick, klack. Eins rollte hinaus.
„Hm“, sagte Mia. „Das Tuch hält nicht fest genug.“
Sie sah sich im Garten um. Am Zaun saß eine Henne und spazierte auf und ab. Sie scharrte im Stroh und machte sich dort ein Nest, rund und tief.
„Ein Nest!“, rief Mia. „Das hält die Eier fest.“
Die Henne wollte nur ihr eigenes Nest bauen. Sie gackerte und sah Mia gar nicht an. Aber Mia holte Stroh aus dem Schuppen. Sie stopfte es in den Korb, Handvoll um Handvoll, bis es unten ein dickes Polster gab.
Nun legte sie das rote Ei hinein. Es blieb liegen. Das blaue auch und das gelbe. Sie suchte weiter, und der Korb wurde schwerer und schwerer.
Als das zwölfte Ei darin lag, hörte Mia ein leises Gackern hinter sich. Die Henne stand da und pickte ein kleines Stück Stroh aus dem Korb. Sie trug es zu ihrem Nest.
„Das darfst du haben“, sagte Mia leise.
Im Korb knisterte das Stroh, und die zwölf Eier lagen warm und still darin.