Mut & ÄngsteDeutsch
Mika und der Rollende Zapfen
Mika stand am Rand des Entenwassers und hielt ihren Fangkescher hoch. Heute wollte sie etwas ganz Besonderes finden. Einen Schatz für ihre Entdeckerkiste.
Am Ufer wuchs Schilf, und auf dem Wasser schwammen Blätter wie kleine grüne Boote. Über dem Dach vom Bootshaus hing, wie immer, eine einzige graue Wolke. Sie regnete nur auf dieses Dach und auf kein anderes. Das war eben so. Mika achtete nicht darauf.
Da sah sie ihn: einen runden braunen Zapfen, so groß wie ihre Faust. Er lag im Gras und glänzte.
„Der gehört in meine Kiste!“, sagte Mika.
Sie lief hin. Doch der Zapfen kullerte los. Rolle, rolle, plumps, er hüpfte ins Schilf.
Mika bückte sich. Er rollte weiter, an ihrer Hand vorbei.
„Bleib da!“, rief sie.
Der Zapfen blieb nicht. Er kullerte zum Wasser und blieb auf einem Seerosenblatt liegen. Das Blatt wackelte und trieb langsam davon.
Mika streckte den Kescher aus. Zu kurz. Sie reckte sich noch weiter. Immer noch zu kurz. Ihre Schuhe wurden nass.
Eine Ente paddelte vorbei. Sie wollte nur zu ihrem Nest und schaute Mika gar nicht an. „Quak“, machte sie und war weg.
Mika setzte sich ins Gras und überlegte. Rennen half nicht. Strecken half nicht. Was machte der Zapfen denn? Er rollte, wenn es bergab ging.
Da bemerkte sie, dass die Uferwiese ein bisschen schräg war. Und unten, am Ende, stand ihr Eimer.
„Ich muss ihn nicht fangen“, flüsterte sie. „Der Eimer kann ihn fangen.“
Mika legte den Kescher ins Wasser und zog das Seerosenblatt ganz sacht zum Ufer. Sie setzte den Zapfen ins Gras, oben an die Schräge. Dann gab sie ihm einen kleinen Schubs.
Rolle, rolle, rolle, bumm! Der Zapfen sprang in den Eimer.
„Hab ich dich!“, rief Mika.
Genau da fing es auf dem Bootshaus an zu tröpfeln. Pitsch, patsch, pitsch, patsch. Mika drückte den Eimer an sich und hörte dem Regen zu, wie er ganz leise aufs Dach klopfte.