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Mut & ÄngsteDeutsch

Tomatenhaus bei Nacht

Emil wollte bei Oma schlafen, die ganze Nacht, ganz ohne Mama und Papa. Das hatte er fest versprochen. Stups, sein Stoffhase, durfte mit.

Omas Gästebett stand in einem Zimmer, das nach Äpfeln roch. Alles war ein bisschen anders. Die Decke war zu hoch. Die Tür war auf der falschen Seite. Und das Fenster war ganz dunkel.

„Wo ist hier vorne?“, flüsterte Emil. Stups wusste es auch nicht.

Emil legte den Kopf zur Tür. Er hörte das Haus knacken und knarren. Das war nicht richtig.

Dann drehte er sich um und legte den Kopf zum Fenster. Draußen rauschte etwas in den Bäumen. Das war auch nicht richtig. Alles war ein bisschen anders.

Da ging im Garten ein Licht an. Emil kletterte aufs Fensterbrett und schaute hinaus.

Dort stand Omas Tomatenhaus, ganz aus Glas. Die roten Tomaten leuchteten darin wie kleine Lampen. Oma lief im Regenmantel darauf zu und schwenkte ihre Taschenlampe. Sie musste die Fenster vom Tomatenhaus schließen, bevor der Regen kam. Sonst würden ihre Tomaten nass.

Emil zählte mit. Ein Fenster. Zwei Fenster. Drei Fenster. Oma rannte von links nach rechts und zog an jedem Hebel.

Der erste Tropfen fiel. Plitsch! Oma schloss das letzte Fenster. Klack!

Dann trommelte der Regen los, tausend kleine Finger auf dem Glasdach.

Emil grinste. Hier, vom Fenster aus, konnte er alles sehen. Das war das richtige Ende vom Bett!

Er zog das Kissen ans Fensterende und legte Stups neben sich. Die Haustür ging auf, und Oma tappte tropfnass die Treppe hoch. „Geschafft“, murmelte sie an seiner Tür. „Alle Tomaten trocken.“

Emil nickte ganz klein. Draußen leuchteten die Tomaten, und der Regen trommelte leise weiter. Tipp, tipp, tipp. Seine Augen fielen zu.