Körper & SinneDeutsch
Der Maulwurf und der Zahnputzgang
„Zähne putzen, Tim!“, rief Mama aus der Küche, und Tim rannte los.
Tim war ein kleiner Maulwurf. Er hatte eine neue Zahnbürste mit blauem Griff. Die wollte er sofort ausprobieren. Das Bad lag am Ende vom breiten Gang, aber Tims Höhle hatte fünf Tunnel. Einer davon war schmal und kurz.
„Den nimmst du noch nicht allein“, hatte Mama gesagt. „Dafür sage ich dir erst Bescheid.“
Tim blieb stehen. Der schmale Tunnel sah so kurz aus. Und Mama war ja in der Küche.
Er schlüpfte hinein. Hinter ihm leuchteten seine Fußspuren, ganz schwach und grünlich. So war das bei ihnen immer: Jede Spur glomm eine Stunde lang.
Der Gang wurde dunkler. Er bog nach links. Dann nach rechts. Dann kam eine Wurzel, und Tim kroch darunter durch.
„Wo ist das Bad?“, fragte er.
„Hier jedenfalls nicht“, sagte eine Grille. Sie saß auf einem Stein und suchte ihren Pantoffel. „Ich bin schon dreimal vorbeigekommen.“
Tim ging weiter. Links, rechts, unter der Wurzel durch. Da sah er vor sich grüne Spuren. Kleine Maulwurfsspuren. Sie waren ganz frisch.
Tim sah genauer hin. Die Spuren hatten seine Größe. Die Zehen zeigten nach vorn, genau wie bei ihm.
„Das sind meine“, flüsterte er. „Ich laufe im Kreis!“
Der kurze Weg war der längste von allen. Tim drehte sich um. Er folgte den Spuren zurück, Schritt für Schritt, bis zur Höhle. Dann nahm er den breiten Gang.
Im Bad stand Mama schon mit der Zahnpasta.
„Du hast ein bisschen gebraucht“, sagte sie.
„Ich war im schmalen Tunnel“, sagte Tim leise. „Er ist gar nicht kurz.“
„Ich weiß“, sagte Mama und lächelte. „Ich habe deine Spuren gesehen.“
Tim putzte. Oben, unten, vorne, hinten. Schrubb, schrubb, schrubb. Der Schaum wurde so dick wie ein Wölkchen.
Draußen auf dem Boden glommen seine Spuren noch grün. Eine nach der anderen wurde dunkler, bis nur noch das Schrubb, schrubb, schrubb im Bad zu hören war.