Körper & SinneDeutsch
Ein lautes Hatschi
Auf der Veranda der kleinen Hütte hing eine Schaukel, die bei jedem Windhauch quietschte.
Ben saß darauf, in eine Decke gewickelt, neben seinem Opa. Jeden Abend, wenn der letzte Sonnenstrahl verschwand, gingen am Gartenzaun die Glühwürmchen an. Alle auf einmal. Ben wollte das heute zum ersten Mal selbst sehen.
„Noch zehn Atemzüge“, flüsterte Opa und pustete in seinen Tee. „Aber du musst ganz still sein. Sonst bleiben sie dunkel.“
„Zehn“, flüsterte Ben. „Neun. Acht.“
Da kribbelte es in seiner Nase. Oh nein.
Ben hielt sich die Nase zu. „Sieben“, sagte er ganz dünn. Das Kribbeln wurde größer. Er presste die Lippen zusammen und schaute fest auf den Zaun. „Sechs.“ Seine Augen wurden feucht.
„Fünf“, flüsterte Opa.
Das Hatschi wollte raus. Es drückte und zappelte. Ben kniff die Augen zu. Die Schaukel quietschte leise: quiiik.
Und da merkte Ben etwas. Die Schaukel war lauter als sein Atem. Die Glühwürmchen störte sie auch nicht.
„Vier“, flüsterte er und schaukelte sachte vor und zurück. Quiiik, quiiik. Das Kribbeln kitzelte immer noch. Aber jetzt hatte er eine Idee. Er drückte sein Gesicht tief in die Decke.
„Drei, zwei, eins …“
„Hmpf!“, machte die Decke.
Es war ein kleines, dumpfes Hatschi. Der Zaun blieb dunkel. Ben hielt die Luft an. Opa hielt die Luft an.
Dann ging am Zaun ein Pünktchen an. Noch eins. Und noch eins, bis der ganze Zaun glitzerte wie ein Sternenhimmel zum Anfassen.
„Geschafft“, flüsterte Opa.
Ben strahlte. Doch in seiner Nase kribbelte der Rest, der noch übrig war. Er konnte nicht anders.
„HAAA-TSCHIII!“
Alle Lichter am Zaun gingen aus. Einen Moment war es ganz still.
Dann blinzelten sie wieder an, eins nach dem anderen, als müssten sie kichern.
Die Schaukel quietschte, und Opa lachte leise in seinen Tee.