Familie & ZuhauseDeutsch
Finn und die Ohren
Finn konnte mit den Ohren wackeln. Im ganzen Dorf konnte das sonst niemand.
Seit gestern hatte Finn eine kleine Schwester. Sie hieß Lena und war so klein wie ein Brotlaib. Finn wollte, dass Lena ihn mochte. Aber sobald er sich über ihr Bettchen beugte, machte sie den Mund auf und weinte.
„Nicht weinen, Lena“, sagte Finn.
Er sang ihr sein lautestes Lied vor. Lena weinte lauter. Er schüttelte die Rassel, klapper-klapper. Lena weinte noch lauter.
„Sie ist müde“, sagte Mama und trug Lena im Zimmer herum. „Und alles ist neu für sie.“
Finn setzte sich ans Fenster und ließ die Schultern hängen. Draußen lag der Teich. Er fror jede Nacht anders zu, das war schon immer so. Gestern waren es Federn gewesen. Heute waren es lauter Sterne, und weißer Raureif lag auf der Scheibe.
Da hörte Lena auf zu weinen.
Finn drehte sich um. Lena sah nicht ihn an. Sie sah zum Fenster, mit großen Augen.
Finn hielt den Atem an. Dann hauchte er ans Glas und malte mit dem Finger einen Stern in den Raureif.
„Nicht weinen, Lena“, flüsterte er. „Schau. So sieht der Teich heute aus.“
Mama kam mit Lena näher. Lena streckte die Hand aus. Ihre Finger waren winzig wie Erbsenschoten. Sie tippte auf den Stern. Er wurde nass und lief ein bisschen auseinander.
„Hick!“, machte Lena.
Finn musste lachen. „Du hast einen Schluckauf!“
Lena schaute jetzt doch zu ihm. Da wackelte Finn mit den Ohren, erst das linke, dann das rechte. Lena riss den Mund auf. Aber es kam kein Weinen heraus, sondern ein dünnes, glucksendes Lachen.
„Hick! Hihi. Hick!“
Finn wackelte noch einmal. Draußen lagen die Sterne auf dem Teich, und drinnen lachte Lena, bis die Scheibe beschlug.