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Der Briefträger und die Windglocke
Der Briefträger Timo wollte unbedingt alle Briefe vor dem Abend austragen. Heute war ein Brief dabei, den er noch nie gesehen hatte. Er war dick und gelb und mit einem blauen Faden zugebunden.
Timo drehte ihn hin und her. Auf dem Umschlag stand kein Name. Keine Straße. Nur ein kleiner Stern.
„Für wen bist du denn?", fragte Timo.
Der Brief sagte nichts. Die Zettel mit den Hausnummern waren irgendwo unterwegs aus der Tasche gefallen.
Timo ging zum Haus mit der roten Tür. Dort wohnte Frau Birke. „Ist der Brief für dich?", fragte er.
Frau Birke schaute auf den Stern. „Nein, Timo. Ich bekomme nur Briefe mit meinem Namen."
Timo ging zum Haus mit dem grünen Dach. Dort wohnte der kleine Ole. „Ist der Brief für dich?"
Ole schüttelte den Kopf. „Ich kriege nie Post. Nur Rechnungen für Papa."
Nun wurde es später. Die Sonne wurde orange. Timo setzte sich auf die Bank am Dorfplatz und seufzte.
Da begann hoch oben die Windglocke zu läuten. Sie läutete immer von allein, wenn der Wind sich drehte. Bim-bam, bim-bam.
Timo hob den Kopf. Der Wind blies jetzt von der anderen Seite. Er wehte den gelben Brief ein Stück über Timos Hand. Der blaue Faden flatterte, und am Faden hing ein winziger Stern aus Blech.
Timo sah zur Glocke hinauf. Auch an ihr hing ein Stern. Genau so einer.
„Das ist es!", rief er.
Er lief die Treppe zum Glockenturm hinauf. Dort wohnte Frau Wiese, die Glöcknerin. Sie öffnete die Tür und lachte.
„Mein Brief! Meine Schwester schreibt mir immer mit einem Stern."
Frau Wiese band den Faden auf. Aus dem Umschlag fiel eine Feder, und sie kitzelte Timo an der Nase.
„Hatschi!", machte Timo.
Draußen läutete die Glocke noch einmal, ganz leise. Bim-bam. Die Feder tanzte durch das Fenster in den Abend, und Timo sah ihr nach.