Fantasie & WunderDeutsch
Ein Stern im Gemüsebeet
Im Beet zwischen den Möhren lag etwas und glühte. Mia kniete sich hin und sah genau hin. Es war ein kleiner Stern, so groß wie ein Apfel, und er blinzelte.
„Du bist vom Himmel gefallen", flüsterte Mia.
Der Stern piepste leise. Er zeigte nach oben, wo schon die ersten Sterne an den Abend gehängt wurden.
„Du willst wieder hinauf", sagte Mia. „Ich helfe dir. Ich bin Mia, und ich kann gut klettern."
Zuerst holte sie die Leiter vom Apfelbaum. Sie trug den Stern auf der Hand nach oben, ganz hoch, bis zur obersten Sprosse. Aber der Himmel blieb weit weg. Der Stern piepste traurig.
„Dann eben anders", sagte Mia.
Sie holte ihren roten Drachen. Sie band den Stern an die Schnur und ließ den Drachen steigen. Der Wind packte zu, der Drachen flog los, und der Stern schwang hin und her. Dann plumpste er ins Gras.
„Plumps!", machte es. Der Stern kicherte, und sein Licht wackelte.
Mia setzte sich neben ihn. Sie dachte nach. Auf der Leiter war es nicht gegangen. Mit dem Drachen auch nicht.
Da sah sie, dass der Stern heller wurde, wenn sie leise sprach. Und wenn sie still war, glomm er matt.
„Ach so", sagte sie. „Du brauchst jemanden, der dich ruft."
Sie legte die Hände an den Mund. „Sterne! Hier ist euer Stern! Hier unten!"
Ganz oben blinkte es. Einmal, zweimal, dreimal. Ein dünner Faden aus Licht kam langsam herunter und berührte den kleinen Stern an der Spitze.
Der Stern hob ab, ganz sacht, wie eine Feder. Mia hielt den Atem an.
Er stieg über den Apfelbaum und über das Dach, bis er zwischen den anderen hing. Dort blinzelte er noch einmal zu ihr herunter.
Mia stand im Beet zwischen den Möhren, und die Erde war noch ein bisschen warm.